1 Berufsbezogener Fremdsprachenunterricht im Spannungsfeld von Berufspädagogik und Fremdsprachendidaktik

    1.1 Aufgabenfeld der Fremdsprachendidaktik
    1.2 Kommunikative Kompetenz als übergeordnetes Lernziel
      Tabelle 1:  Pragmatisch definierte Situationen des Anwenders       von Fremdsprachen
    1.3 Handlungskompetenz und handlungsorientiertes Lernen
      Tabelle 2:  Prinzipien des Fremdsprachenlernens
    1.4 Lernfelddidaktik und Projektunterricht
     

    2 Zielvorstellungen zum Englischunterricht in der Berufsausbildung

    2.1 Sprachanwendung in beruflichen Situationen
      Tabelle 3: Lernziel Handlungskompetenz im berufsbezogenen      Fremdsprachenunterricht
    2.2 Bilingualer Sachfachunterricht
      Tabelle 4:  Chancen und Grenzen des bilingualen Sachfachunterrichts an     der Berufsschule
      Tabelle 5:  Strukturierung von Texten als methodische Hilfe im bilingualen     Sachfachunterricht
       Tabelle 6: Schematisierung von Arbeitsaufgaben als methodische Hilfe     im bilingualen Sachfachunterricht (Diskussion)
      Tabelle 7:  Schematisierung von Arbeitsaufgaben als methodische Hilfe im     bilingualen Sachfachunterricht (Bericht)
    2.3 Interkulturelle Kompetenz
     
    Tabelle 8: Notwendigkeit von Qualifikationen mit internationalem Bezug     Berufsgruppe Großhandel / Außenhandel / Verkehr
      Tabelle 9: Notwendigkeit von Qualifikationen mit internationalem Bezug     Berufsgruppe Hotel- und Gaststättenberufe
      Tabelle 10: Notwendigkeit von Qualifikationen mit internationalem Bezug     Berufsgruppe Metall-/Elektroberufe
      Tabelle 11: Überblick zur soziokulturellen Kompetenz Anforderungen in     den drei Niveaustufen des KMK-Zertifikats

     

    3 Definition berufsbezogener Fremdsprachenkenntnisse durch Zertifizierung

    3.1  ICC - Zertifikate
    3.2  IHK-Zusatzqualifikation für Auszubildende
      Tabelle 12: Berufsbezogene IHK-Fremdsprachenprüfungen
    3.3  KMK-Zertifikat für Berufsschulen
     
    Tabelle 13: Niveaustufen des Europäischen Referenzrahmens für das     Lernen und Lehren von Fremdsprachen
      Tabelle 14: Allgemeine Beschreibung der Niveaustufen des      KMK-Zertifikats
      Tabelle 15: Differenzierung des KMK-Zertifikats nach       Berufsgruppen

     

    4 Übungstypologie im berufsbezogenen Fremdsprachenunterricht
    4.1  Einteilung nach den kommunikativen Funktionen
       Tabelle 16: Systematik einer berufsbezogenen Übungstypologie

    4.2  Einteilung nach den Anforderungsbereichen des KMK-    Zertifikats
      
    Tabelle 17: Zuordnung von Aufgabentypen zu den Anforderungsbereichen des KMK-Zertifikats

    4.3  Übungstypen beim Lernen mit technischen Medien

   Tabelle 18: Typologie von Lernsoftware für das Fremdsprachenlernen
 

    5 Implementation des berufsbezogenen Fremdsprachenunterrichts
       Tabelle 19:
    Standards für die Implementierung eines  berufsbezogenen Fremdsprachenunterrichts
    5.1  Umfang des Unterrichts
    5.2  Abschlussprüfungen
    5.3  Lehrerbedarf und -ausbildung
    5.4  Fremdsprachliche Vorbildung der Auszubildenden
    5.5  Berufsbezogene Lehrwerke

1 Berufsbezogener Fremdsprachenunterricht im  Spannungsfeld  von Berufspädagogik und  Fremdsprachendidaktik


1.1  Aufgabenfeld der Fremdsprachendidaktik

Fremdsprachendidaktik wird auch von den Fachvertretern dieser Disziplin an den Hochschulen durchaus unterschiedlich verstanden. Sie ist eine "Begegnung mit der Unterrichtspraxis" (vgl. Walter, 1997, 68), ein "Reflexionsrahmen" zur Sicherung eines fach- und erziehungswissenschaftlichen Standards (vgl. Schröder, 1997, 20), eine "wissenschaftlich fundierte Theorie der Unterrichtspraxis, aus der begründete Vorschläge und Empfehlungen für die Unterrichtsgestaltung abgeleitet werden" (vgl. Timm, 1998, 7). Die zitierten Ansätze sind für die didaktische Konzeption eines berufsbezogenen Englischunterrichts wenig hilfreich, da sie sich zu sehr an der gegenwärtigen und früheren Praxis des Fremdsprachenunterrichts an allgemein bildenden Schulen orientieren. Ein weitergehenden Ziel der Fachdidaktik ist, "angehenden Englischlehrern wissenschaftlich fundierte Kenntnisse über die Planung, Durchführung und Überprüfung von fremdsprachlichen Lehr-/Lernprozessen zu vermitteln" (vgl. Nünning/Jucker, 1999, 170). Die Beschäftigung mit der Fachdidaktik macht Studierende zu "Experten der Fremdsprachenvermittlung", wobei die Reflexion des eigenen Fremdsprachenlernens und die nachhaltige Begegnung mit der modernen Unterrichtspraxis nicht ausreicht. Hinzukommen müssen "neue Konzeptionen von Fremdsprachenvermittlung" (vgl. Klippel, 1997, 48). Trotz dieser auch Planungsaspekte einschließenden Aussagen befasst sich die traditionelle Fremdsprachendidaktik offensichtlich primär mit der Vermittlungsproblematik von Inhalten der etablierten Bezugswissenschaften Sprach- und Literaturwissenschaft. Bei der Konzeption einer berufsbezogenen Fremdsprachendidaktik muss jedoch vor einer Diskussion von Vermittlungsproblemen die Frage nach der Bezugswissenschaft gestellt werden. Das Schulfach Englisch (Fremdsprache) braucht einen "nicht-trivialen Gegenstand" (vgl. Hüllen, 1999, 327), der es von seinem Ziel her legitimiert. Dieser Gegenstand ist am Gymnasium nach wie vor die Literatur. Andere Gegenstände werden jedoch diskutiert, z.B. die Kulturwissenschaften (Landeswissenschaft, Auslandskunde), ein Fach 'Europäische Kultur' oder im Rahmen eines bilingualen Sachfachunterrichts die einschlägigen wissenschaftlichen Disziplinen, wie Geschichte, Geographie, Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Sozialwissenschaften. Die Didaktik eines berufsbezogenen Fremdsprachenunterrichts muss diese anderen Bezugswissenschaften bei der Planung von Unterricht berücksichtigen. Die didaktischen Ansätze der Berufspädagogik hin zu einem fächerübergreifenden Unterricht helfen bei der Realisierung. Dazu kommt im Rahmen der Vermittlungsproblematik eine pragmatisch-kommunikative Ausrichtung des Fremdsprachenunterrichts, vor allem im Fach Englisch in seiner gegenwärtigen Funktion als weltweiter 'lingua franca'.

 

 

Tabelle 1
Pragmatisch definierte Situationen des Anwenders von Fremdsprachen
(vgl. Neuner, 1979, 106)


Rollen, in denen
die Verwendung einer Fremdsprache erforderlich ist

privat

beruflich

Im Ausland

Im Inland

Auskünfte geben

x

x

 

x

Autopanne

x

x

x

 

Bei der Autovermietung

x

x

x

 

Beim Arzt

x

x

x

 

Benutzung von Telekommunikationseinrichtungen

x

x

x

 

Besichtigung

x

x

x

x

Bewerbungsschreiben

x

x

x

x

Einchecken im Hotel

x

x

x

 

Einkaufen

x

x

x

 

Einladung

x

x

x

x

Einreise und Zoll

x

x

x

 

Geldwechsel

x

x

x

 

Mieten eines Appartements

x

x

x

 

Öffentliche Verkehrsmittel

x

x

x

 

Produktpräsentation

x

x

x

x

Restaurant und Geschäftsessen

x

x

x

x

Tanken

x

x

x

 

Termin vereinbaren

x

x

x

x

 

Tabelle 4
Chancen und Grenzen des bilingualen Sachfachunterrichts an der Berufsschule
(vgl. Christ/Rosenstiel, 1999, 149)

Kriterien

Chancen

Grenzen

Anspruchs-nivea u des Sachfaches

Integration internationaler Aspekte durch das Medium Zielsprache

Notwendigkeit sehr guter Sprachkenntnisse im fachlichen und kulturellen Themenbereich

Anspruchs-nivea u der Fremd-sprache

Motivation und Sicherheit durch Anwendung vorhan-dener Kenntnisse in einem berufsbezogenen Zusammen-hang

Behandlung von Problemen des Sachfaches in der Fremdsprache erfordert große Anstrengungs-bereitschaft und Durchhalte-vermögen

Berufsaus-bildu ng im dualen System

Reale Kontakte zu Auslandspartnern im Ausbildungsbetrieb

Kaum Auslandstätigkeit während der Ausbildung;
knappe Unterrichtszeit an der Berufsschule

Fremd-sprachen -bedarf der Wirtschaft

Kommunikative und fachsprachliche Anwendung einer gelernten Fremdsprache in simulierten Situationen

Begrenzung der realen Anwendung auf wenige im Schulsystem gelernte Fremdsprachen

Fremd-sprachen -bedürfnisse der Auszu-bildenden

Erhaltung vorhandener Kenntnisse und Erweiterung in berufsbezogenen Situationen

Anspruchsvoller Spracherwerb in einer weiteren Fremdsprache im Rahmen der knappen Unterrichtszeit nicht möglich

Lernformen im Berufs-schulunte r-richt

Aktives Lernen im fächerübergreifenden Gruppenunterricht als Normalfall

Bereitschaft zum Gebrauch der Fremdsprache als Arbeitssprache im Unterricht erfordert Disziplin und besondere Motivation

Lernformen in inter-nationalen Projekten

Behandlung von Fachthemen in Verbindung mit Auslandsaufenthalten

Finanzaufwand für Reise-, Aufenthalts- und Programmkosten im Ausland

Sprach- und Fachkom-petenz von Lehrern

Verbindung des Studiums einer Fremdsprache mit dem Studium eines Sachfaches möglich und motivierend

Tradition eines Fremdsprachen-studiums ohne Sachfach
und eines Fachstudiums ohne Fremdsprache

Leistungs-messu ng

Reiches Repertoire von Übungs- und Testarten; komplexe Arbeitsaufträge und Projektziele möglich

Niveau der Testaufgaben für das Sachfach abhängig vom Niveau der Fremdsprachenbeherrschung

Letzte Bearbeitung: 16.05.10

Landesverband Bayern